Bewertungsmodell

Mein Bewertungsmodell

Hier erfährst du, warum ich mich für ein eigenes Bewertungsmodell entschieden habe, wie dieses genau funktioniert und auf welche Weise ich anhand dessen meine konkrete Aktienauswahl treffe.

Ziel

Mein Weg zur finanziellen Freiheit

Die Börse bietet unzählige Möglichkeiten, seine Ersparnisse gewinnbringend anzulegen und damit den Weg zur finanziellen Freiheit deutlich zu verkürzen. Wer sich bereits frühzeitig aus dem Arbeitsleben verabschieden möchte, benötigt allerdings zunächst eine passende Anlagestrategie. Schließlich stehen neben unzähligen Aktien börsennotierter Unternehmen auch abertausende aktive und passive Aktienfonds zur Auswahl.

Trotzdem muss einem die Anlageentscheidung nicht sonderlich schwer fallen. Denn Privatanleger sollten am besten gar nicht erst versuchen, den Markt durch Stockpicking oder Markettiming zu schlagen, sondern ihr Geld einfach in passive Indexfonds investieren. Auf diese Weise ist ihnen zumindest die durchschnittliche Marktrendite sicher. Und das ist bereits mehr, als selbst die meisten Profis nach Kosten von sich behaupten können.

Auch ich war lange Zeit vom passiven Ansatz überzeugt und habe diesen seit der letzten Finanzkrise erfolgreich praktiziert. Doch trotz des seither verzeichneten Anlageerfolgs, stellte mich eine rein passive Anlagestrategie nie vollends zufrieden. Mir fehlte schlicht die aktive Komponente, um außergewöhnliche Marktsituationen entsprechend ausnutzen zu können.

Meine Anlagestrategie

Daher habe ich mich vor einiger Zeit dazu entschlossen, eine zweigleisige Anlagestrategie zu verfolgen. So setze ich neben marktbreiten Indizes inzwischen auch verstärkt auf attraktiv bewertete Einzelaktien.

Zwar mag man mir vorhalten, dass ich so wissentlich auf die nachgewiesenermaßen aussichtsreichere Anlagemethode verzichte. Doch obwohl mir bewusst ist, dass ich nicht in die Fußstapfen von Warren Buffett treten werde, habe ich so doch immerhin die Möglichkeit, bei Bedarf aktiv ins Marktgeschehen einzugreifen.

Zyklische Unternehmen und „heiß  gelaufene“ Aktien haben es bei mir jedoch schwer. Denn mein Fokus liegt ganz klar auf einer langfristig orientierten Geldanlage – also einem Buy-and-Hold-Ansatz mittels sogenannter Value-Aktien. Ich konzentriere mich dabei vor allem auf solche Unternehmen, deren Aktien sich neben einer besonders attraktiven Bewertung auch durch eine hohe Dividendenrendite auszeichnen.

Methode

Mein Auswahlverfahren

Eine gute Anlagestrategie zeichnet sich nicht bloß dadurch aus, dass sie allen anderen in der Theorie überlegen ist. Vielmehr muss sie auch zu dir passen, sodass du dich mit dieser rundum wohlfühlt und langfristig – in guten wie in schlechten Börsenzeiten – an ihr festhältst.

Auf meiner Suche nach einer passenden Anlagephilosphie stellte ich dabei schnell fest, dass eine langfristig orientierte Geldanlage genau das richtige für mich ist. Doch um hierfür geeignete Unternehmen zu finden, bedurfte es zunächst eines entsprechenden Auswahlverfahrens.

Daher habe ich in den letzten Jahren mein eigenes Bewertungsmodell entwickelt. Dieses soll vor allem solche Unternehmen identifizieren, die sich durch die folgenden Eigenschaften auszeichnen:

  • einen stabilen Geschäftsverlauf,
  • ein kontinuierliches Gewinnwachstum sowie
  • einen außergewöhnlich niedrigen Preis.

Zu diesem Zweck lassen sich zwar unzählige Kennzahlen heranziehen. Ich vertraue jedoch auf die aus meiner Sicht aussagekräftigsten Variablen:

  • den Aktienkurs,
  • den Gewinn sowie
  • die Dividende.

Diese 3 Größen erhalte ich einfach und kostenlos:

  • von einer Onlinebank (Aktienkurs),
  • aus dem Unternehmensbericht (Gewinn und Dividende) sowie
  • durch geeignete Finanzportale (Gewinn- und Dividendenschätzungen).

Meine Bewertungskriterien

In meinem Bewertungsmodell sind neben DAX-, MDAX-, TecDAX– und SDAX-Mitgliedern auch viele ausländische Unternehmen aus internationalen Leitindizes (z.B. EURO STOXX, S&P 500, NIKKEI) sowie diverse kleinere Börsentitel aus dem In- und Ausland enthalten. Auf diese Weise kann ich ständig mehr als 500 Einzelaktien im Auge behalten.

Wie attraktiv eine Aktie tatsächlich ist, mache ich sodann anhand der nachfolgenden 4 Bewertungskriterien fest:

Wie günstig ist das Unternehmen?

Ich halte ein Unternehmen für günstig, wenn das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) niedriger ist, als das durchschnittliche KGV (seit 2004).

Daher vergebe ich im Rahmen meiner Bewertung Pluspunkte (Minuspunkte), wenn das KGV aktuell günstiger (teurer) ist, als es in der Vergangenheit im Durchschnitt der Fall war.

Wie stark ist das Unternehmen?

Ich halte ein Unternehmen für stark, wenn es seine Gewinne sowohl lang- (seit 2004) als auch mittelfristig (seit 2011) steigern konnte. Für meine Bewertung berücksichtige ich dabei ausschließlich die jeweils geringere der beiden Wachstumsraten.

Daher vergebe ich im Rahmen meiner Bewertung Pluspunkte (Minuspunkte), wenn das Unternehmen sowohl mittel- als auch langfristig ein positives (negatives) Gewinnwachstum aufweist.

Wie robust ist das Unternehmen?

Ich halte ein Unternehmen für robust, wenn es seine Gewinne langfristig (seit 2004) kontinuierlich steigern konnte.

Daher vergebe ich im Rahmen meiner Bewertung Pluspunkte, wenn das Unternehmen seinen Gewinn Jahr für Jahr ausbauen konnte, und Minuspunkte, falls es zwischenzeitlich zu Gewinneinbußen oder sogar Verlusten gekommen ist.

Ist die Aktie derzeit ein Schnäppchen?

Ich halte ein Unternehmen für ein Schnäppchen, wenn dessen langfristige Gewinnentwicklung (seit 2004) das gegenwärtige KGV rechtfertigt.

Daher vergebe ich im Rahmen meiner Bewertung Pluspunkte (Minuspunkte), wenn ich dem Unternehmen ein höheres (niedrigeres) KGV zugestehe, als wie es gegenwärtig der Fall ist.

Mein Bewertungsergebnis

Zum Schluss zählt mein Bewertungsmodell die jeweiligen Plus- und Minuspunkte eines Unternehmens zusammen. Hieraus ergibt sich meine persönliche Bewertungskennzahl – der sogenannte „Jung in Rente“-Faktor (JiR-Faktor). Dieser gibt an, ob es sich bei der jeweiligen Aktie gegenwärtig um einen Kaufkandidaten handelt.

Unternehmen mit einem JiR-Faktor von

  • unter -10 landen dabei nur äußerst selten auf meiner Watchlist
  • zwischen -10 und +10 qualifizieren sich für meine Bewertungsserie
  • über +10 schaffen es wahrscheinlich irgendwann in mein Depot.

Neben dem JiR-Faktor spielt bei meinen Kaufentscheidungen aber auch die Gewinnausschüttung eine nicht ganz unerhebliche Rolle. Daher prüfe ich vor jedem Kauf, wie es um Höhe, Stabilität und Wachstum der Dividende bestellt ist.

Insgesamt stellt meine Bewertungsmethode somit ein sehr selektives Auswahlverfahren dar. Während es bereits kaum ein Unternehmen gibt, welches einen JiR-Faktor von 10 erreicht, kommt es noch seltener vor, dass dieses Unternehmen auch noch eine bemerkenswerte Dividenden-Historie vorzuweisen hat. Über alle Aktien, die es dennoch in mein Depot schaffen, berichte ich regelmäßig im Rahmen unserer Bewertungsserie.

Berechnung

Zur Identifizierung von Unternehmen, die sich durch einen stabilen Geschäftsverlauf, ein kontinuierliches Gewinnwachstum sowie einen außergewöhnlich niedrigen Preis auszeichnen, habe ich in den letzten Jahren ein Bewertungsmodell entwickelt, dass anhand von 4 Bewertungskriterien berechnet, ob es sich bei der jeweiligen Aktie gegenwärtig um einen Kaufkandidaten handelt.

Um zu verstehen, wie sich meine persönliche Bewertungskennzahl – der sogenannte „Jung in Rente“-Faktor (JiR-Faktor) – im Einzelnen ergibt, stelle ich dir im Folgenden die konkrete Berechnungsweise meines Bewertungsmodells detailliert vor:

Wie günstig ist das Unternehmen?
Berechnung

Um zu berechnen, wie günstig ein Unternehmen derzeit ist, setze ich das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ins Verhältnis zum durchschnittlichen KGV seit 2004:

\bigg(\frac{aktuelles~KGV}{KGV~seit~2004}-1\bigg)^2\times1,5

Damit sich hohe Abweichungen deutlicher bemerkbar machen, fließt das Ergebnis quadratisch in meine Bewertung ein. Darüber hinaus passe ich es um einen entsprechenden Gewichtungsfaktor an.

Ergebnis

Mein 1. Bewertungsfaktor kann einen Wert zwischen -100 (aktuell besonders hohes KGV im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt) und +150 (aktuell besonders niedriges KGV im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt) annehmen:

\min\{ -100\} \max\{ +150\}
Beispiel
British American Tobacco

(Stand: 21. Dezember 2018)

Im Falle von BAT liegt das aktuelle KGV bei 8,2. Dies ist weniger als es in der Vergangenheit im Durchschnitt mit 13,7 der Fall war:

\bigg(\frac{8,2}{13,7}-1\bigg)^2\times1,5=+23,6

Die Aktie von BAT wäre demnach deutlich günstiger zu haben als üblich. Im Rahmen meiner Bewertung würde ich hierfür 23,6 Pluspunkte vergeben.

Wie stark ist das Unternehmen?
Berechnung

Um zu berechnen, wie stark ein Unternehmen ist, ermittle ich das durchschnittliche jährliche Gewinnwachstum seit 2006 und 2011:

\sqrt[\scriptsize aktuelles~Jahr-1-2006]{\frac{durchschnittlicher~Gewinn~letzter~3~Jahre}{durchschnittlicher~Gewinn~2005\text{--}2007}}-1 \sqrt[\scriptsize aktuelles~Jahr-1-2011]{\frac{durchschnittlicher~Gewinn~letzter~3~Jahre}{durchschnittlicher~Gewinn~2010\text{--}2012}}-1

Anschließend wird ausschließlich das niedrigere Gewinnwachstum für mein Bewertungsmodell berücksichtigt.

Ergebnis

Mein 2. Bewertungsfaktor kann einen Wert zwischen -100 (besonders starker Gewinneinbruch seit 2006 oder 2011) und +100 (besonders starkes Gewinnwachstum seit 2006 und 2011) annehmen:

\min\{ -100\} \max\{ +100\}
Beispiel
British American Tobacco

(Stand: 21. Dezember 2018)

Im Falle von BAT beträgt die geringere der beiden Wachstumsraten 7,4% pro Jahr:

\min\bigg(\sqrt[\scriptsize 13]{\frac{3,44}{1,36}}-1;\sqrt[\scriptsize 8]{\frac{3,44}{1,91}}-1\bigg)=+7,4

BAT wäre demnach ein überaus starkes Unternehmen. Im Rahmen meiner Bewertung würde ich hierfür 7,4 Pluspunkte vergeben.

Wie robust ist das Unternehmen?
Berechnung

Um zu berechnen, wie robust ein Unternehmen ist, ermittle ich den maximalen jährlichen Gewinneinbruch seit 2004:

-\frac{(maximaler~jährlicher~Gewinneinbruch~seit~2004)^2}{3}

Damit sich hohe Abweichungen deutlicher bemerkbar machen, fließt das Ergebnis quadratisch in meine Bewertung ein. Darüber hinaus passe ich es um einen entsprechenden Gewichtungsfaktor an.

Ergebnis

Mein 3. Bewertungsfaktor kann einen Wert zwischen -33,3 (mindestens ein Jahresverlust seit 2004) und 0 (kein einziger Gewinnrückgang seit 2004) annehmen:

\min\{ -33\frac{1}{3}\} \max\{ 0\}
Beispiel
British American Tobacco

(Stand: 21. Dezember 2018)

Im Falle von BAT betrug der maximale jährliche Gewinneinbruch knapp 37%:

-\frac{(-36,5\%)^2}{3}=-4,4

BAT wäre demnach ein robustes Unternehmen. Im Rahmen meiner Bewertung würde ich hierfür 4,4 Minuspunkte vergeben.

Ist die Aktie derzeit ein Schnäppchen?
Berechnung

Um zu berechnen, ob die Aktie eines Unternehmens derzeit ein Schnäppchen ist, setze ich das aktuelle KGV ins Verhältnis zum risikoadjustierten KGV. Zu diesem Zweck gestehe ich jedem Unternehmen zunächst ein KGV von 18 zu, wobei für das Jahr mit dem maximalen jährlichen Gewinneinbruch seit 2004 ein KGV-Punkt je 10% Gewinnrückgang abgezogen wird:

-\frac{\bigg(\frac{\normalsize aktuelles~KGV}{\normalsize 18+(maximaler~jährlicher~Gewinneinbruch~seit~2004\times10)}+1\bigg)^2}{12}

Damit sich hohe Abweichungen deutlicher bemerkbar machen, fließt das Ergebnis quadratisch in unsere Bewertung ein. Darüber hinaus passe ich es um einen entsprechenden Gewichtungsfaktor an.

Ergebnis

Mein 4. Bewertungsfaktor kann einen Wert zwischen -100 (aktuell besonders hohes KGV und mindestens ein Jahresverlust seit 2004) und 0 (aktuell besonders niedriges KGV und kein einziger Gewinnrückgang seit 2004) annehmen:

\min\{ -100\} \max\{ 0\}
Beispiel
British American Tobacco

(Stand: 21. Dezember 2018)

Im Falle von BAT gestehe ich dem Unternehmen aufgrund des maximalen Gewinneinbruchs von 36,5% ein KGV von 14,35 zu. Dies ist mehr als das aktuelle KGV von 8,2:

-\frac{\bigg(\frac{\normalsize 8,2}{\normalsize 18+(-36,5\% \times10)}+1\bigg)^2}{12}=-2,7

Die Aktie von BAT wäre demnach ein echtes Schnäppchen. Im Rahmen meiner Bewertung würde ich hierfür 2,7 Minuspunkte vergeben.

Bewertungsergebnis
Berechnung

Um zu berechnen, wie attraktiv eine Aktie ist, zählt mein Bewertungsmodell die jeweiligen Plus- und Minuspunkte eines Unternehmens zusammen. Hieraus ergibt sich mein „Jung in Rente“-Faktor (JiR-Faktor):

\sum \limits_{i=1}^{4}Bewertungsfaktor_i=\text{JiR-Faktor}

Unternehmen mit einem JiR-Faktor von

  • unter -10 landen dabei nur äußerst selten auf meiner Watchlist
  • zwischen -10 und +10 qualifizieren sich für meine Bewertungsserie
  • über +10 schaffen es wahrscheinlich irgendwann in mein Depot.
Beispiel
British American Tobacco

(Stand: 21. Dezember 2018)

Im Falle von BAT ergäbe sich auf diese Weise ein deutlich positiver JiR-Faktor:

23,6+7,4-4,4-2,7=+23,9

BAT wäre demnach ein echter Kaufkandidat für mich.

Falls du Fragen oder Anmerkungen zu meinem Bewertungsmodell hast, lade ich dich herzlich dazu ein, dich jederzeit gerne per E-Mail an mich zu wenden!

Volle Transparenz: Die von mir gehandelten Aktien, ETFs, Anleihen und Optionen sind stets mit Risiken behaftet. Auch bin ich kein Finanz- oder Anlageexperte. Mein Bewertungsmodell ist daher weder als Anlageberatung noch als Empfehlung zu verstehen und ich übernehme keinerlei Haftung für Anlageentscheidungen, die auf Grundlage der hier präsentierten Informationen getroffen werden. Mehr Informationen hierzu findest du auch in meinem Disclaimer.