Aktienplausch mit Andreas und Daniel von Bavarian Value

Die Deutschen gelten gemeinhin als Aktienmuffel.

Doch zuletzt hat die hiesige Aktienkultur einen merklichen Aufschwung erlebt.

Damit dieser Trend keine Eintagsfliege bleibt, habe ich mich zum Start einer neuen Interviewserie entschieden.

In dieser berichten bekannte und weniger bekannte Aktionäre über ihre Motivation, Geld an der Börse anzulegen.

Nachdem ich schon seit einiger Zeit die Aktienanalysen meiner beiden bayerischen Blogger-Kollegen Andreas und Daniel verfolge, freut es mich sehr, beide nun als erstes Interview-Duo hier begrüßen zu dürfen.

Viel Spaß also beim nächsten Aktienplausch auf Jung in Rente!

Mein Aktienplausch mit Andreas und Daniel von Bavarian Value

Aktienplausch Bavarian Value

Andreas Kuhn (Andi) und Daniel Bleicher (Dani) kennen sich schon seit gut 15 Jahren. Neben ihren Jobs als IT-Produktmanager (Daniel) & Data Analyst (Andreas) haben sie vor fast 4 Jahren den Value Investing Blog Bavarian Value ins Leben gerufen. Dort haben sich die beiden Bayern primär auf das Schreiben von Unternehmensanalysen fokussiert. Daneben betreiben sie ein wikifolio, mit dem sie ihre Anlagestrategie transparent und öffentlich umsetzen.

Andi, Dani, wieso gehört ihr zu den 17,5 Prozent der Deutschen, die in Aktien investieren?

Dani: Servus David und vielen Dank für die Einladung zum Aktienplausch.

Bei mir daheim wurden Aktien glücklicherweise nie als „böse“ angesehen.

Daher war es für mich auch normal, dass diese einfach dazu gehören.

Als ich dann aber 2010 rum meine ersten eigenen Aktien gekauft habe, lief das, sagen wir mal, sehr unglücklich.

Ich habe damals ziemlich blind – nein, komplett blind – Commerzbank-Aktien gekauft.

Das Ende vom Lied war, dass ich diese ca. 5 Jahre später, als Andi und ich begonnen hatten, uns mit Value Investing zu beschäftigen, mit einem Verlust von über 60% verkauft habe.

Damals habe ich jedenfalls gelernt, wie man es nicht macht. 🙂

Natürlich könnte man jetzt fragen, warum ich überhaupt noch in Aktien investiere.

Die Antwort ist eigentlich relativ simpel.

Wenn man sich an ein paar einfache Grundsätze hält (z.B. nicht blind irgendeine Aktie kaufen), ist es die meiner Meinung nach beste Möglichkeit, Vermögen aufzubauen – auch für die private Altersvorsorge.

Und jeder kann mit seiner eigenen Strategie, die zu einem passt, mit Unternehmensbeteiligungen, sprich Aktien, langfristig Vermögen aufbauen.

Trotz meines Commerzbank-Lehrgeldes kann ich heute auf eine Rendite blicken, die meiner Meinung nach sehr zufriedenstellend ist.

Und ein weiterer Grund ist auch, dass Andi und ich den Gedanken mögen, dass wir Miteigentümer der Unternehmen in unserem Portfolio sind.

Das gefällt uns einfach.

Andi: Ein herzliches Servus auch von meiner Seite. 

Zum Thema Aktien bin ich erst im Studium zusammen mit Dani gekommen.

Er hatte da schon seine oben genannten Erfahrungen gesammelt und mich vor ähnlichen Erfahrungen bewahrt. 

Zum einen macht es mir einfach Spaß, Unternehmen zu analysieren, zu verstehen wie diese Geld verdienen und was sie möglicherweise einzigartig und besonders macht.

Zum anderen gibt es eigentlich seit Jahrzehnten keine bessere Anlageform in Sachen Rendite, wenn man es langfristig betrachtet.

Weder Staatsanleihen, noch Gold oder sonst irgendetwas anderes war beim langfristigen Vermögensaufbau so erfolgreich wie Aktien.

Andi von Bavarian Value

Weshalb bevorzugt ihr Einzelaktien gegenüber ETFs?

Dani: Wir sind überzeugte Value Investoren, d.h. wir möchten uns an qualitativ hochwertigen Unternehmen beteiligen, die mehr wert sind als der Preis, zu dem sie aktuell an der Börse gehandelt werden.

Das lässt sich mit einem ETF schlecht umsetzen, vor allem da man unserer Meinung nach nicht pauschal sagen kann, ob ein Unternehmen gerade günstig ist oder nicht.

Jeder Investor kommt wohl bei ein und demselben Unternehmen zu einem anderen fairen Wert als der andere, wodurch „günstig“ immer subjektiv ist.

Natürlich möchten wir dann auch mit unserem Ansatz unsere Benchmark schlagen, weil die ganze Analyse-Arbeit soll sich auch lohnen.

Mit einem Blick auf unser wikifolio kann man aber auch sehen, dass dies noch nicht zu 100% der Fall ist.

Wir liefern uns immer noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem MSCI World.

Aber Gott sei Dank ist das Ganze ja kein Sprint, sondern ein Marathon – ja, ich weiß, €5 ins Phrasenschwein. 🙂

Und, wie schon gesagt, gefällt uns schlicht und ergreifend der Gedanke, Miteigentümer der Unternehmen zu sein, welche wir uns ausgesucht haben.

Dieses Gefühl geht bei einem ETF auch eher verloren.

Andi: Wir schauen uns einzelne Unternehmen sehr genau an.

Da macht es für uns eigentlich wenig Sinn, in einen ETF zu gehen, der hunderte Titel hat.

Wir wollen die Entwicklung der Unternehmen verstehen und bei tiefgreifenden Veränderungen reagieren können.

Das geht bei einem ETF einfach schlecht.

Warum setzt ihr dabei aufs Value Investing?

Dani: Wir verstehen es.

Aber vielleicht sollte ich etwas mehr ausholen.

Unserer Meinung nach ist dieser Ansatz einfach logisch.

Man investiert in Unternehmen, die mehr wert sind, als der aktuelle Aktienkurs suggeriert – der bekannte Euro für 50 Cent.

Dani von Bavarian Value

Und, wenn man weniger für etwas zahlt als es wert ist, dann ist es langfristig eigentlich nur logisch, dass man so sein Vermögen vermehren kann.

Andi: Value Investing ist für uns einfach wie gemacht.

Man muss nicht jeden Tag auf Kurse glotzen, ob sie steigen oder fallen.

Man braucht „nur“ in sehr gute Unternehmen zu einem günstigen Preis investieren und das für einen langen bis seeeehr langen Zeitraum (also teilweise einfach: für immer 🙂 ).

Es geht primär nicht darum, welchen Preis die Aktie an der Börse hat, sondern wie viel sie uns wert ist.

Das ist ein ganz entscheidender Unterschied, den viele ignorieren.

Wir sind der Meinung, dass ein Unternehmen langfristig seinen fairen Wert erreichen wird.

Wenn wir dann ein sehr gutes Unternehmen günstig kaufen können und die Aktie einfach liegen und für uns arbeiten lassen, ist das einfach die logischste Variante.

Ein schöner Nebeneffekt ist, dass ich nachts beruhigt schlafen kann, weil mich einfach nicht interessiert, was der Kurs morgen macht.

Ich weiß bei jeder Aktie im Portfolio, dass wir sie gründlich analysiert haben.

Andi von Bavarian Value

Was hat es mit Eurem wikifolio „World Wide Value“ auf sich?

Dani: Hier wollen wir transparent und für jeden öffentlich einsehbar zeigen, wie wir als Investoren mit unserer Strategie abschneiden.

Im wikfolio setzen wir unseren „Bavarian Way of Value Investing“ um und jeder kann sehen, wie gut oder schlecht wir damit fahren.

Wir nehmen ins wikifolio auch nur Aktien auf, in die wir selbst investiert sind – ok, ins wikifolio sind wir auch investiert, also alles etwas doppelt-gemoppelt, aber was soll’s. 😉

Und wenn ein Investment nicht so läuft, wie wir es erwartet haben, ums „positiv“ zu umschreiben, wie bspw. Glanbia oder Capri Holdings, dann haben wir auch gleich wieder Futter für unseren Blog.

Andi: Außerdem können so andere quasi „in uns“ investieren, wenn sie meinen, dass wir das nicht so schlecht machen.

Mehr habe ich dem nicht hinzuzufügen.

Was sind Eure favorisierten Quellen (Bücher, Zeitungen, Blogs, Social-Media-Kanäle usw.), um informierte Investitionsentscheidungen zu treffen?

Dani: Für Investmententscheidungen sind unsere Quellen primär die Geschäftsberichte der Unternehmen.

Wenn wir diese und das Zahlenwerk nicht durchgegangen sind und für gut befunden haben, wird auch kein Geld reingesteckt.

Aber Inspirationen, bei welchen Unternehmen sich ein genauerer Blick lohnt, holen wir uns von überall.

Darüber hinaus ist Investieren ein ständiges Lernen.

Man versucht seinen Ansatz, seine Strategie ständig zu verbessern und Wege zu finden, Fehler zu vermeiden.

Und auch dabei kann man von allen möglichen Quellen was dazulernen.

Zu meinen Lieblingsblogs gehört z.B. iNTELLiGENT iNVESTiEREN von Michael Kissig.

Es gibt auch viele sehr gute Social-Media-Kanäle wie nerd.investiert, prof.goldfink und Aktiengram.

Für „Aktienideen“ werfe ich auch immer mal wieder einen Blick zu AlleAktien* oder dem Aktienfinder.

Es interessiert mich auch, was die „Großen“ so treiben, wie natürlich Warren Buffett, Charlie Munger, Ken Fisher und Guy Spier.

Und Bücher gehören sowieso dazu, aber auch hier gibt es so viele gute, dass es den Rahmen sprengen würde.

Ein Beispiel hier wäre „Charlie Munger: Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen“* von Tren Griffin.

Andi: Die Hauptquelle für eine konkrete Investitionsentscheidung ist natürlich ohne Wenn und Aber der Geschäftsbericht.

Hier steht eigentlich alles drin, was man braucht, um sich einen guten Eindruck über das Unternehmen zu verschaffen.

Natürlich hängt es von einem selbst ab, die Zahlen und den Text zu interpretieren.

Ich bin ein Fan davon über den Tellerrand hinauszublicken und ähnlich wie es Charlie Munger tut, nach „worldly wisdom“ zu streben.

Was jetzt sehr hochtrabend klingt, ist aber nichts anderes, als immer neugierig zu sein und sich auch in anderen Fachbereichen umzusehen.

Seien es Biographien, Physik, Biologie oder Psychologie.

Aus jeder Fachrichtung kann man auch sehr viel mitnehmen. 

Besonders empfehlenswert aus meiner Sicht ist hier beispielsweise das Buch „Thinking – Fast and Slow“* von Daniel Kahneman, in der es um menschliche Verhaltensweisen geht.

Wir sind überhaupt nicht die rationalen Wesen, die gerne in der Finanzwelt propagiert werden, sondern zutiefst soziale Wesen, die sich teilweise wie ferngesteuert verhalten.

Ich persönlich liebe auch Biografien

Es gibt eigentlich keine schnellere Möglichkeit von erfolgreichen oder inspirierenden Personen zu lernen.

Besonders empfehlen kann ich hier „Shoe Dog“* von Nike-Gründer Phil Knight und „Born a Crime“* von Trevor Noah, zwei exzellente (Hör)Bücher.

Und natürlich darf Charlie Munger mit „Poor Charlie’s Almanack“* in keiner gut sortierten Value Investing Bibliothek fehlen. 😉

Bei den Lieblingsblogs und Social-Media-Kanälen kann ich mich Dani eigentlich nur 1:1 anschließen.

Welchen Ratschlag würdet ihr Börsenanfängern aufgrund Eurer langjährigen Erfahrung mit auf den Weg geben?

Dani: Es heißt sehr oft „fang einfach an“.

Da gehe ich leider nicht ganz mit.

Ich weiß was rauskommt bei „fang einfach an“ – Commerzbank. 😉

Man macht beim Investieren Fehler, das gehört dazu und daraus kann man lernen und dementsprechend ein besserer Investor werden.

Aber man muss nicht alle Fehler selber machen.

Wie schon John C. Bogle sagte:

„Learn every day, but especially from the experiences of others. It’s cheaper!”

John C. Bogle

Deswegen wäre meine Empfehlung: Les erst mal ein, zwei Bücher und ein oder zwei Blogartikel und dann leg los – vielleicht auch erstmal mit einem ETF, dann muss man sich auch nicht so mit der Unternehmensanalyse herumschlagen.

Natürlich sollte man es mit dem „Vorab-Informieren“ nicht übertreiben.

Viele Erfahrungen macht man erst, wenn man live dabei ist.

Aber es ist wohl nicht der schlechteste Ansatz, sich vorher etwas Zeit zunehmen, um sich über die Grundlagen zu informieren.

Aber dann sollte man auch loslegen.

Andi: Ich würde es auch langsam angehen.

Man weiß erst wenn es ums richtige Geld geht ob man Kursschwankungen aussitzen kann und wie man reagiert.

Deswegen sollte man sich eine Strategie suchen, die zu einem passt und diese dann auch konsequent durchziehen und über die Jahre gegebenenfalls anpassen. 

Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, dass man nicht einfach ins kalte Wasser springt, sondern sich langsam vorantastet.

Und wenn man sich komplett unwohl fühlt, kann man mit einem ETF nicht so viel falsch machen.

Lieben Dank Euch beiden!


Bavarian Value Logo

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Eine Antwort auf „Aktienplausch mit Andreas und Daniel von Bavarian Value“

  1. Moin David,
    ich bin weiterhin ein begeisterter Leser deiner Interviewreihe, da ich die verschiedenartigen Werdegänge zur Börsenaffinität deiner Gäste interessant finde.
    An diesem Interview gefällt mir ganz besonders die Empfehlung, nicht einfach „blind“ loszulegen, wie es ja viele gerne aussagen, sondern sich zumindest etwas mit der Materie zu beschäftigen, um nicht die Fehler vieler Neulinge wiederholen zu müssen. Genau das gibt mir den großen Mehrwert dieses Interviews.
    Den weiteren Ansatz der Strategie kann ich nachvollziehen, allerdings steht der Aufwand scheinbar leider noch nicht im Verhältnis zum Ertrag, da ja ein simples Investieren in einen MSCI World ETF vergleichbare Renditen erzielt hätte.
    Gut finde ich an einer derartigen Strategie aber ganz klar, dass man sich mit den Unternehmen beschäftigt hat und mit dem Kauf für deren Geschäftsmodell entschieden hat.

    Ich wünsche dir und euch weiterhin viel Erfolg beim Investieren!

    Viele Grüße,
    MrTott

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