Aktienplausch mit Sara Beckmann aka Finanzpilotin

Die Deutschen gelten gemeinhin als Aktienmuffel.

Doch zuletzt hat die hiesige Aktienkultur einen merklichen Aufschwung erlebt.

Damit dieser Trend keine Eintagsfliege bleibt, habe ich mich zum Start einer neuen Interviewserie entschieden.

In dieser berichten bekannte und weniger bekannte Aktionäre über ihre Motivation, Geld an der Börse anzulegen.

Diesmal habe ich auch endlich meine erste weibliche Interviewpartnerin zu Gast!

Es freut mich besonders, dass es sich hierbei um „FinanzpilotinSara Beckmann handelt.

Denn Sara ist nicht nur eine erfahrene Börsianerin, sondern auch eine umtriebige Side Hustlerin.

Viel Spaß also beim nächsten Aktienplausch auf Jung in Rente!

Mein Aktienplausch mit Sara Beckmann aka Finanzpilotin

Aktienplausch Sara Beckmann aka Finanzpilotin 1

Sara Beckmann arbeitet aktuell noch bei einer großen Prüfgesellschaft als Elektrotechnik-Sachverständige. Ab September diesen Jahres startet sie in die Selbstständigkeit. Möglich macht das ihr Finanzielles Polster und Einnahmen aus ihrer Nebentätigkeit. Auf ihrem Finanzblog berichtet sie seit knapp zwei Jahren über ihren Weg und gibt Tipps rund um Finanzthemen.

Sara, wieso gehörst du zu den 17,5 Prozent der Deutschen, die in Aktien investieren?

Ohne meinen ersten Arbeitgeber hätte ich wohl nie angefangen, in Aktien zu investieren.

Meine Familie und meine Bekannten haben mir von Aktien abgeraten.

Immerhin könnte ich mein ganzes Geld verlieren.

Die Börse ist nur was für Zocker, sagten sie mir.

Doch 2009 habe ich eine Ausbildung als Elektronikerin für Betriebstechnik bei ThyssenKrupp Steel begonnen.

Wir hatten die Möglichkeit, einmal im Jahr für €500 Mitarbeiteraktien zu kaufen und die Hälfte vom Arbeitgeber zurückzubekommen.

Ich habe also nicht lange überlegt und bin direkt zu meiner damaligen Hausbank gelaufen, habe ein Depot eröffnet und mir die Aktien gekauft.

Ich hatte damals keine Ahnung von Aktien, aber wenn mir jemand €250 schenkt, egal in welcher Form, dann nehme ich diese selbstverständlich gerne an.

Bekannte und Freunde haben mir damals davon abgeraten.

Es sei viel zu riskant, die Aktien zu kaufen.

Die Mindesthaltefrist lag allerdings nur bei einem halben Jahr.

Obwohl ich keine Ahnung von Aktien hatte, hielt ich es für unwahrscheinlich, dass die Aktie innerhalb von sechs Monaten über 50% fällt.

Auch 2010 und 2011 konnte ich weitere Mitarbeiteraktien kaufen.

2012 wurde diese Aktion dann allerdings nicht mehr angeboten.

Dem Unternehmen ging es finanziell nicht so gut.

Das war für mich ein Zeichen, die Aktien wieder zu verkaufen.

Bis dahin haben die Aktien mir auch gute Renditen eingefahren.

Danach habe ich allerdings nie wieder ThyssenKrupp Aktien gekauft.

Mittlerweile arbeite ich auch nicht mehr dort.

Dadurch, dass ich dann ohnehin ein Depot hatte, war die Hemmschwelle weitere Aktien zu kaufen natürlich deutlich geringer.

Für mich war jedoch von Anfang an klar, dass ich nur Aktien von großen Unternehmen kaufe, die ich bereits kenne.

Schon damals standen auf meiner Shoppingliste Aktien wie Amazon, Microsoft und Co.

Leider war ich damals keine Langfristinvestorin, sondern eine junge und ungeduldige Traderin.

Ich habe immer wieder die gleichen Aktien gekauft und wieder verkauft, nur um kleine Gewinne mitzunehmen und anschließend die Gewinne für sinnlosen Konsum rauszuhauen.

Sehr schade, denn wenn ich mir heute die Anzahl der damals gekauften Aktien anschaue und wie wenig sie gekostet haben, dann ist das rückblickend betrachtet einer meiner größten Fehler gewesen.

Leider war mir damals die Macht des Zinseszinses noch nicht bewusst.

Aber immerhin habe ich aus den Fehlern gelernt und mache es heute anders.

Ich habe zwar immer noch ein kleines Zockerdepot, aber den überwiegenden Anteil meiner Aktien halte ich mittlerweile langfristig.

Ich habe also früher Aktien gekauft, um meinen sinnlosen Konsum zu finanzieren.

Mittlerweile sind die Beweggründe allerdings anders.

Seit knapp vier Jahren bin ich Langfristinvestorin (ja, hat leider lange gedauert).

Ich investiere mittlerweile langfristig, weil ich gemerkt habe, dass mir Freiheit wichtiger ist als Konsum.

Die Erkenntnis kam übrigens mit einer chronischen Erkrankung, einem nachfolgenden OP-Marathon und der Abhängigkeit vom Krankengeld.

Es war mehr als unangenehm, auf das Krankengeld angewiesen zu sein.

Zudem möchte ich nicht bis 70 arbeiten, sondern selber entscheiden, wann ich in Rente gehe oder ggfs. nur noch Teilzeit arbeite.

Das funktioniert allerdings nur, wenn man für sich selber vorsorgt.

Zudem möchte ich nicht bei einem Arbeitgeber bleiben müssen, bei dem es mir nicht gefällt.

So konnte ich nun sogar meinen Job kündigen und mache mich ab dem 02.09.2021 als Elektrotechnik-Sachverständige selbstständig.

Ohne ein finanzielles Polster hätte ich mich diesen Schritt nie getraut.

Weshalb bevorzugst du Einzelaktien gegenüber ETFs?

Ich würde sagen, ich bin da einfach reingewachsen.

Als ich 2009 meine erste Aktie gekauft habe, waren ETFs noch nicht in aller Munde.

Ich wusste damals auch nicht, dass es so etwas überhaupt gibt.

Heutzutage sind ETFs viel gesellschaftstauglicher.

Ich würde auch jedem, der an einem langfristigen Vermögensaufbau interessiert ist und gerade erst anfängt, eher zu einem ETF raten.

Sara Beckmann aka Finanzpilotin

Das Risiko ist durch die breite Diversifikation deutlich geringer und gerade für Anfänger ist das ein großer Vorteil.

Man kann ohne großes Wissen direkt anfangen, das ist allemal besser als ewig zu warten.

Wenn man Einzelaktien kaufen will, kann man sich währenddessen das nötige Wissen aneignen und nach und nach Aktien dazu kaufen.

Ein breit gestreuter ETF bietet aber eine gute Grundlage fürs Depot.

Einzelaktien hingegen bieten dafür mehr Chancen, allerdings zu einem höheren Risiko.

Das Risiko hängt dabei stark vom eigenen Wissen, der Analyse-Genauigkeit und Recherchetiefe ab.

In der Regel investiere ich allerdings in Unternehmen, die ich ohnehin gut kenne und wälze dann zusätzlich einige Geschäftsberichte.

Das kostet natürlich auch Zeit, aber ich fahre damit bisher sehr gut und schlage durchschnittlich den allgemeinen Markt.

Wenn ich das nicht tun würde, würde ich auf einen ETF umschwenken und mir die Arbeit sparen.

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Warum investierst du in P2P-Kredite?

Ich investiere nur einen sehr kleinen Teil meines Vermögens in P2P-Kredite.

Hauptsächlich, weil ich offen für neue Investitionsmöglichkeiten bin und Dinge gerne ausprobiere, bevor ich mir eine Meinung dazu bilde.

P2P-Kredite sind eine gute Möglichkeit, auch außerhalb des Aktienmarktes sein Geld gewinnbringend anzulegen und das Portfolio zu diversifizieren.

Sara Beckmann aka Finanzpilotin

Meine Lieblingsplattform ist Bondora Go & Grow* mit einer festen Jahresrendite von 6,75%.

Der Vorteil liegt für mich in der schnelleren Liquidität gegenüber Aktien.

Vorausgesetzt, dass nicht gleich alle Investoren gleichzeitig ihr Geld abziehen wollen oder Bondora pleite geht.

Eine weitere Plattform, auf der ich investiere, ist EstateGuru*.

Ich finde es einfach klasse, dass ich hier bereits ab €50 in Immobilien investieren und mir die Projekte gezielt aussuchen kann.

Zudem finde ich die Plattform sehr übersichtlich und die Projekte spannend.

Meine aktuelle Jahresrendite liegt hier bei 10,25%.

Was bedeutet Finanzielle Freiheit für dich und was reizt dich hieran?

Finanzielle Freiheit bedeutet für mich, dass ich finanziell auf niemanden angewiesen bin.

Weder von einem Arbeitgeber noch von Versicherungen und erst recht nicht vom Staat.

Durch Finanzielle Freiheit kann ich mein Leben so gestalten, wie ich es gerne möchte, ohne dabei auf etwas verzichten zu müssen.

Sara Beckmann aka Finanzpilotin

Gutes Essen und Reisen sind mir beispielsweise extrem wichtig, hierauf möchte ich nicht verzichten.

Zudem ermöglicht mir ein gewisser Geldpuffer, dass ich mich ab dem 02.09.2021 selbstständig machen kann.

Gekündigt habe ich bereits.

Ohne Geldpuffer wäre das gar nicht möglich gewesen.

Ich arbeite gerne und liebe meine Tätigkeit als Elektrotechnik-Sachverständige, aber ich habe meinen Job gehasst.

Das Umfeld beim Arbeitgeber passte überhaupt nicht zu mir.

Lästereien, andere schlecht reden und Probleme bei der Zuarbeit führten dazu, dass mir meine geliebte Arbeit überhaupt keinen Spaß mehr machte.

Einen sicheren Job zu kündigen kann man sich allerdings nur erlauben, wenn man bereits selbst vorgesorgt hat.

Denn Selbstständigkeit ist sicherlich kein Zuckerschlecken und Kunden muss ich auch erst noch finden.

Ich würde mich zwar noch nicht als finanziell frei bezeichnen, aber zumindest so weit, dass ich diesen Schritt wagen kann.

Ich muss jedenfalls keine Angst haben, meine Rechnungen nicht zahlen zu können, selbst wenn ich beispielsweise im ersten Jahr nicht einen einzigen Kunden für mich gewinnen könnte.

Ich hoffe zwar nicht, dass das passiert, aber gemäß Murphys Gesetz habe ich das zumindest einkalkuliert.

Finanzielle Freiheit ermöglicht mir also ein selbstbestimmtes Leben ohne finanzielle Sorgen zu führen.

Ich kann auch einfach mal Dinge ausprobieren, ohne dabei pleite zu gehen.

Was sind deine favorisierten Quellen (Bücher, Zeitungen, Blogs, Social-Media-Kanäle usw.), um informierte Investitionsentscheidungen zu treffen?

Investmententscheidungen treffe ich aufgrund eigener Recherche.

Blogs, Social-Media-Kanäle und Zeitungen dienen maximal als Inspirationsquelle.

Sara Beckmann aka Finanzpilotin

Der erste Part der Recherche ist sehr oberflächlich.

Im ersten Schritt prüfe ich, ob es sich überhaupt lohnt, Zeit in eine Analyse zu investieren oder nicht.

Um generell interessante Aktien zu finden, nutze ich Tools wie Traderfox Aktienterminal oder Simply Wallstreet.

So erkenne ich anhand der dort abgebildeten Daten schnell, ob es sich lohnen könnte, sich mit der Aktie bzw. dem Unternehmen genauer zu beschäftigen.

Danach versuche ich mir einen Überblick über das Geschäftsmodell zu verschaffen.

Wenn das Geschäftsmodell zu kompliziert ist, dann ist die Aktie maximal fürs Zockerdepot geeignet.

Wenn es einfach ist, schaue ich mir die Geschäftsberichte an und prüfe, wie sich das Unternehmen zukünftig entwickeln möchte.

Wo sind Stärken und Schwächen und welche Chancen und Risiken gibt es?

Wenn ich das klar definiert habe, kaufe ich eine Aktie oder eben nicht.

Auch den fairen Preis der Aktie versuche ich zu ermitteln, wobei selbst eine leichte Überbewertung bei langfristigen Investments kein Hindernis für mich darstellt.

Welchen Ratschlag würdest du Börsenanfängern aufgrund deiner langjährigen Erfahrung mit auf den Weg geben?

Der erste und wichtigste Tipp: Fangt an!

Wartet nicht auf den perfekten Zeitpunkt, denn der war gestern und der zweitbeste ist jetzt.

Je eher ihr anfangt, desto mehr profitiert ihr vom Zinseszinseffekt.

Sara Beckmann aka Finanzpilotin

Die Macht dahinter wird leider oft unterschätzt und auch ich habe die Kraft dahinter früher nicht verstanden.

Wenn ihr mit geringem Risiko starten wollt, könnt ihr beispielsweise mit einem Sparplan auf einen breit gestreuten ETF anfangen.

Ihr könnt euch dann entspannt weiteres Wissen aneignen und später Einzelaktien dazu kaufen.

Je mehr Wissen ihr habt, desto geringer ist euer Risiko.

Zudem kann ich euch nur den Rat geben, niemals blind auf Aktienempfehlungen von anderen zu vertrauen.

Auch nicht von mir!

Nutzt es maximal als Inspiration und prüft die Aussagen und das Unternehmen selbst.

Nur so lernt ihr dazu und verringert euer Risiko.

Wenn ihr euch aus guten Gründen für eine Aktie entschieden habt und die Kurse aufgrund schlechter News fallen, bleibt ruhig.

Prüft erst mal, ob die News langfristige Auswirkungen haben können.

Wenn das Unternehmen beispielsweise Insolvenz anmeldet, dann würde ich die Aktie schnell loswerden.

In der Regel sollte das bei ordentlicher Recherche der Geschäftsberichte allerdings nicht passieren.

Ausnahme: Gefälschte Geschäftsberichte beispielsweise wie bei Wirecard.

Wenn allerdings die Erwartungen bei den Quartalszahlen nur leicht verfehlt wurden oder die Aktienkurse fallen, weil Firma XY die Gehälter erhöht, dann ist es nicht dramatisch.

Bleibt einfach cool und vertraut auf eure Entscheidung.

Außerdem ist es völlig normal, dass man auch mal eine falsche Entscheidung trifft.

Wichtig ist nur, dass die guten Entscheidungen überwiegen.

Also worauf wartest du noch?

Lieben Dank für den äußerst inspirierenden Aktienplausch, Sara!


Aktienplausch Sara Beckmann aka Finanzpilotin 2

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5 Antworten auf „Aktienplausch mit Sara Beckmann aka Finanzpilotin“

  1. Interessante Interviewpartner: vielen Dank!
    Hier bitte noch gendermäßig nachbessern:
    „Wenn Euch das Interview mit Sara gefallen hat und ihr mehr von ihm erfahren wollt, folgt ihm unbedingt auch auf einem seiner Social Media-Kanäle:“

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