ecoligo: Das große CEO-Interview

Um am Wachstumspotenzial der Frontier Markets – also jener Länder, deren Entwicklung sich noch eine Stufe unterhalb der Emerging Markets befindet – teilzuhaben, investiere ich seit einiger Zeit regelmäßig über die Crowdfunding-Plattform ecoligo.investments*.

Mittlerweile haben so bereits mehr als ein Dutzend Projekte aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, welche sich in Ländern wie Ghana, Kenia und Costa Rica befinden, den Weg in mein Depot gefunden.

ecoligo Logo

Nachdem ich vor rund einem halben Jahr bereits ausführlich über meine Erfahrungen mit ecoligo.investments berichtet hatte, freue ich mich riesig, nun den CEO von ecoligoMartin Baart – als Gesprächspartner begrüßen zu dürfen.

Viel Spaß also beim ersten Interview auf Jung in Rente!


ecoligo Martin Baart
ecoligo CEO Martin Baart

Interview

Lieber Martin, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Ich kenne dich und ecoligo* nun ja bereits seit einiger Zeit. Als Start-up-Entrepreneur dürftest du und dein Unternehmen aber einigen meiner Leser noch nicht bekannt sein. Würdest du dich daher bitte kurz vorstellen?

Hallo! Ja, gerne stelle ich mich kurz vor!

Mein Name ist Martin und ich bin einer der beiden Gründer von ecoligo. Eigentlich hab ich meine Karriere mal in einem dualen Elektrotechnik Studium gestartet. Damals kam ich bei meiner Arbeit für ein Stadtwerk zum ersten Mal mit der Planung von Solaranlagen in Kontakt. Das fand ich damals schon spannend und fragte mich, wieso nicht einfach mehr Anlagen gebaut werden, wenn es doch technische Lösungen gibt.

Damals war ich […] ziemlich geschockt, dass es überhaupt noch so viele Dieselgeneratoren gibt…

Fasziniert von Erneuerbaren Energien zog ich dann zum dualen Master nach Australien und hab für einen Weltmarktführer als Entwicklungsingenieur gearbeitet der Solar- und Windanlagen in Off-Grid-Systeme integriert hat, um so den Dieselverbrauch zu reduzieren! Damals war ich aber erstmal ziemlich geschockt, dass es überhaupt noch so viele Dieselgeneratoren gibt, die zur Stromerzeugung genutzt werden.

Als die Firma an einen großen Konzern verkauft wurde, wurde es mir schnell langweilig aufgrund der Prozesse und politischen Strukturen in so einem Konzern und ich ergriff 2013 die Chance, in ein Start-up nach Berlin zu wechseln. Die Motivation war ganz klar: In einem Start-up hab ich viel mehr Möglichkeiten direkt mitzugestalten, was wir erreichen und kann meine Arbeit ganz der Sache widmen und nicht den Prozessen.

Den größten Impact erreiche ich nur, wenn ich ein eigenes Unternehmen aufbaue.

Leider war nach 2 Jahren für mich klar: Den größten Impact erreiche ich nur, wenn ich ein eigenes Unternehmen aufbaue. Das war 2015. Da kannte ich Markus, meinen Mitgründer, schon 2 Jahre und wir hatten zusammen in unseren damaligen Unternehmen schon auf vielen Projekten in Ostafrika zusammengearbeitet. Wir fingen also an, uns gemeinsam mit der Idee einer Unternehmensgründung zu beschäftigen und entschlossen uns im Sommer 2015, auch unsere damaligen Jobs aufzugeben.

ecoligo Management
Martin Baart mit Co-Gründer und CFO Markus Schwaninger

Was hat dich und deinen Co-Founder Markus Schwaninger überhaupt dazu bewogen, ecoligo* ins Leben zu rufen?

Als wir uns 2013 in Nairobi auf einer Solarkonferenz kennenlernten, war trotz unterschiedlicher Arbeitgeber die Motivation, Solaranlagen in Ostafrika zu realisieren. Gerade für Gewerbe- und Industriekunden war die Sache eigentlich klar: Diese leiden unter extrem hohen Stromtarifen, haben aber meist eine große Dach-/Landfläche verfügbar, um eine Solaranlage auf ihrem Grundstück zu bauen. Darüber hinaus sind sie, ähnlich wie der Mittelstand in Deutschland, der Motor der Gesellschaft und sorgen für extrem viele Arbeitsplätze. Somit war neben dem Benefit der CO2-Vermeidung auch eine Unterstützung des nachhaltigen Wachstums gegeben.

Aber dann passierte: erstmal nichts. Für eine sehr lange Zeit. Um genau zu sein für 2 Jahre. Markus und ich waren oft und regelmäßig gemeinsam auf Geschäftsreise in der Region und trafen Kunden und lokale Unternehmen, die die Solaranlagen bauen konnten. Aber kaum ein Kunde zeigte Interesse.

Warum? Weil sie oftmals die Investitionssummen, die für die Solaranlagen benötigt wurden, nicht aufbringen konnten oder wollten. Das mit dem Wollen liegt daran, dass Unternehmer lieber in ihr eigenes Kerngeschäft investieren, den Ausbau einer Produktionslinie, den Zukauf von Land, den Neubau einer Kältehalle etc. Und das mit dem Konnten daran, dass es anders als in entwickelten Ländern an einer Finanzierung über Darlehen fehlt.

In Deutschland kann jeder mit etwas Eigenkapital für die Finanzierung einer Solaranlage ein Darlehen einer Bank bekommen. In Ostafrika sieht das anders aus. Darüber hinaus sind Darlehen, wenn man sie bekommen kann, oftmals sehr hoch verzinst. Wir reden hier von deutlich mehr als 10%, in manchen Ländern deutlich mehr als 20%! Das machte es für die Zielgruppe der Gewerbe- und Industriekunden fast unmöglich, Solaranlagen zu beziehen.

Martin Baart beim Ecosummit Berlin 2019

Nach vielen Reisen in die Region war uns daher klar, was wir brauchen: Ein Modell, bei dem Kunden keine Investition stemmen, sondern nur für den Strom bezahlen, den sie von der Solaranlage beziehen. Dieser sollte dann natürlich günstiger sein, als der Strom aus dem Netz, damit ein wirtschaftliches Interesse besteht.

Gleichzeitig sahen wir, dass wir und unsere Freunde und Bekannten in Deutschland oft nach nachhaltigen Investitionen gesucht, aber keine gefunden haben. Mit dem Boom des Crowdinvesting lag für uns also die Lösung nahe: Wir kombinieren beides und schaffen so eine Lösung für beide Probleme!

Wir bieten Gewerbe- und Industriekunden Solaranlagen in einem vollständig finanzierten Modell an, so dass sie keine Investition selbst aufbringen müssen. In diesem Solar-as-a-Service Modell sind Wartung und Versicherung inkludiert. Und die Investition in diese Anlagen bieten wir über das Crowdinvesting in Deutschland privaten Anlegern als Investitionsmöglichkeit an. So können wir viele Projekte realisieren, die anders nicht umgesetzt werden würden.

Was unterscheidet euer Konzept von dem größerer Wettbewerber, wie z.B. bettervest?

Also erstmal zur Klarstellung: Wir sehen bettervest gar nicht als Konkurrenten. Das liegt daran, dass wir ein ganz anderes Geschäftsmodell verfolgen. bettervest agiert nach dem klassischen Plattform-Modell: Sie erwirtschaften ihren Umsatz auf Provisionsbasis von erfolgreich finanzierten Projekten. Also bei jedem Projekt, dass finanziert wird, gibt es eine einmalige Provision und der Projektinhaber muss dann noch jährlich eine kleine Gebühr an bettervest zahlen.

Wir sehen bettervest […] nicht als Konkurrenten.

Unser Modell ist da ganz anders: Dazu muss ich jetzt mal etwas ausholen:

Es gibt, wenn wir von ecoligo reden, eigentlich zwei Gesellschaften: Zum einen die ecoligo GmbH. Diese entwickelt und betreibt Solarprojekte in Entwicklungsländern. Sie macht Ihren Umsatz über den Verkauf des Solarstroms bzw. über das Leasing der Solaranlagen an die Gewerbe- und Industriekunden.

Dann gibt es die ecoligo invest GmbH – Sie ist der Plattformbetreiberin der www.ecoligo.investments Crowdfunding-Plattform und präsentiert die Projekte der ecoligo GmbH der Crowd. Die ecoligo invest GmbH ist von der ecoligo GmbH unabhängig und eine Tochtergesellschaft der CrowdDesk GmbH, die auch für die technische Plattformumsetzung verantwortlich ist. Dasselbe Modell nutzt beispielsweise auch die GLS Crowd.

Funktionsweise

Wir könnten theoretisch auch die Projekte der ecoligo GmbH über bettervest finanzieren. Wir tun das aber nicht, auch um eine klare Kommunikation zu haben: Projekte der ecoligo GmbH finden sich nur auf der ecoligo.investments Plattform. Die Crowdinvestoren wissen also, um welche Art von Projekten es sich handelt und nach welchem Konzept diese aufgebaut sind.

Projekte der ecoligo GmbH finden sich nur auf der ecoligo.investments Plattform.

Die wichtigste Unterscheidung ist also, dass wir als Projektinhaber ein eigenes Interesse daran haben, dass Projekte langfristig funktionieren, der Kunde seine Rechnungen bezahlt, die Wartung durchgeführt wird etc. Als Eigentümer der Projekte handeln wir also im Interesse der Crowdinvestoren, die ja auch wollen, dass Ihre Investition zurückgezahlt werden kann. bettervest zum Beispiel hat keinen Einfluss mehr auf ein Projekt oder einen Kunden, nachdem es finanziert wurde.

Ein weiterer Unterschied ist, dass wir jedes Projekt sehr detailliert prüfen. Das umfasst sowohl eine finanzielle Due Diligence beim Endkunden als auch eine Qualifizierung von den Partnern, die die Anlagen bauen sowie eine technische Due Diligence des Projekts in Bezug auf Komponenten, Größe, Abstimmung Energieproduktion vs. Energiebedarf und statischer Prüfung der Dächer für die Solaranlage und Auswahl des Partners für Wartungsarbeiten. Dieses umfassende Paket an Maßnahmen stellt sicher, dass Projekte ein hohes Maß an Qualität haben.

Jedes Projekt, das wir umsetzen, muss alle laufenden Kosten […] vollständig aus den Umsätzen des Projekts abdecken.

Zu guter Letzt verfolgen wir eine sehr einfache Prämisse: Jedes Projekt, das wir umsetzen, muss alle laufenden Kosten wie Wartung, Betriebsführung, Versicherung, Administrationsaufwand und Zinszahlungen an die Crowdinvestoren und Tilgungszahlungen vollständig aus den Umsätzen des Projekts abdecken. Diese Wirtschaftlichkeitsberechnung legen wir allen Investoren im Investitionsprozess offen. Es kann also nachvollziehen, ob und wie ein Projekt die Leistungen an die Crowd bedienen kann.

Und wenn das Projekt nach erfolgreichem Funding nicht realisiert werden würde, was bisher nicht vorkam, würden wir die Gelder komplett der Crowd zurückzahlen. Eine Verwendung von Mitteln, die nicht dem beworbenen Zweck entspricht, wird bei ecoligo.investments nicht vorkommen!

Unternehmerpreis
Martin Baart beim Deutschen Unternehmerpreis

Kommen wir nun zu den Möglichkeiten, wie Privatanleger wie ich an den von euch ausgewählten Projekten teilhaben können.

Warum kann man sich an den von euch ausgewählten Projekten nur per Nachrangdarlehen beteiligen und wie wirkt sich dies auf das Risiko aus?

Das liegt an den regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland. Das Nachrangdarlehen hat sich aufgrund des Vermögensanlagegesetzes in Deutschland für die Schwarmfinanzierung durchgesetzt. Es gibt jedoch einige interessante regulatorische Entwicklungen im Bereich der Wertpapiere, auch auf EU-Ebene.

Das Nachrangdarlehen hat sich […] in Deutschland für die Schwarmfinanzierung durchgesetzt.

Für vergleichsweise kleinvolumige Projekte, wie wir sie aktuell überwiegend haben, sind die Transaktionskosten jedoch zu hoch, weshalb wir diesbezüglich planen weiterhin auf Nachrangdarlehen zu setzen. Anders als bei typischen Immobilien und Erneuerbare Energien-Crowdfundings ist in unseren Projekten jedoch kein erstrangiges Fremdkapital, weshalb zumindest die Nachrangigkeit im Nachrangdarlehen der Crowdinvestoren kein wirklicher Nachteil ist.

Wie schafft ihr es, Kleinanlegern bereits ab €100 Zugang zu euren Projekten zu gewähren?

Die Kosten, die wir für das Funding haben, sind im Wesentlichen variable Kosten. Die Anzahl der Anleger spielt daher keine wirkliche Rolle hinsichtlich unserer Kosten. Gleichzeitig ist uns daran gelegen, möglichst viele Menschen mit unserem Finanzierungs-Modell anzusprechen. Daher hatten wir uns im letzten Jahr dazu entschieden die Mindestanlagesumme von €500 auf €100 zu verringern.

Wie sicher sind Investitionen in den von euch ausgewählten Entwicklungs- und Schwellenländern und wie geht ihr mit den politischen Risiken vor Ort um?

Interessant, dass du nach den politischen Risiken fragst. Das ist tatsächlich in der Wahrnehmung der Crowdinvestoren ein Thema. Allerdings ist die Realität eine andere: So hat Ghana das politische Landesrisiko „Low Risk“ (siehe Euler Hermes-Länderrisiken). Zum Vergleich: Portugal hat auch „Low Risk“ und Kenia hat „Medium Risk“ und ist damit gleichauf mit Italien.

Wir suchen uns […] nur Länder aus, die politisch stabil sind und ein geringes Risiko haben.

Die Frage ist aber durchaus berechtigt. Wir suchen uns daher nur Länder aus, die politisch stabil sind und ein geringes Risiko haben. Länder mit dem Potential in einen Bürgerkrieg zu rutschen oder in denen bereits Konflikte vorherrschen, bedienen wir nicht.

Was die Sicherheit der Investitionen angeht: Wir sind ja wie bereits erwähnt der Anlagenbesitzer. Das ermöglicht uns viele Vorgehensweisen, sollte ein Kunde trotz intensiver Prüfung mal nicht seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen: So haben wir das Durchgriffsrecht auf die Anlage, können diese also abbauen und woanders wiederaufbauen. Wir könnten außerdem den Strom ins Netz einspeisen oder aber die Komponenten verkaufen und so wenigstens Teilerlöse erzielen.

Lass uns abschließend noch über das bisher Erreichte und eure Planungen für die Zukunft sprechen.

Wie viele Projekte wurden von euch bereits realisiert und wo befinden sich diese?

Wir haben bisher 25 Projekte realisiert:

  • 10 davon in Costa Rica,
  • 7 in Ghana und
  • 8 in Kenia.

Wie viele Anleger haben mit euch inzwischen investiert? Steckt ihr auch euer eigenes Geld in die von euch ausgewählten Projekte?

Insgesamt haben wir inzwischen 959 Investoren von unseren Projekten überzeugen können.

Ja, natürlich investieren wir persönlich auch! Ich selbst bin 8 unserer Projekte investiert mit €6.000. Markus hat in 9 Projekte investiert mit €7.300.

Wie groß ist euer Team heute und wie sieht eure Vision für die kommenden 2-3 Jahre aus?

Die letzten 3 Jahre waren wir immer ein relativ kleines Team von weniger als 10 Mitarbeitern. Im Sommer diesen Jahres haben wir eine Wachstumsfinanzierung für die ecoligo GmbH bekommen. Jetzt wachsen wir also ordentlich und haben gerade 4 neue Mitarbeiter eingestellt. Weitere 4 werden bis Ende des Jahres folgen.

Wir bauen damit hauptsächlich den Vertrieb weiter aus und wollen zukünftig auch in Südostasien aktiv sein. Damit hätten wir vier globale Hubs: Costa Rica, das Zentralamerika bedient, Ghana für Westafrika, Kenia für Ostafrika und Südostasien.

Unsere Vision ist dabei auf jedem Dach eines Gewerbe- und Industriekunden in einem Entwicklungsland eine Solaranlage zu sehen. Wir haben also noch viel vor uns!

ecoligo climate strike

Vielen Dank an Martin für das unglaublich spannende Interview!


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Danke für deine Aufmerksamkeit und weiterhin viel Erfolg beim Sparen, Investieren und frei sein!

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