Closed-end Funds – Das perfekte Instrument für Einkommensinvestoren?

Vor knapp zwei Wochen hatte ich beim comdirect Finanzbarcamp in Hamburg die Gelegenheit, einige von Deutschlands bekanntesten Finanz-Bloggern, Podcastern und YouTubern kennenzulernen.

Besonders spannend fand ich dabei den Austausch mit Anton Gneupel vom YouTube-Kanal D wie Dividende und Luis Pazos vom Finanzblog Nur Bares ist Wahres, die seit Mai 2019 gemeinsam den Einkommensinvestoren-Podcast zum Thema Hochdividendenwerte und ausschüttungsstarke Geldanlagen betreiben.

Da ich hier zu den Hörern der ersten Stunde gehöre, freue ich mich riesig, Anton für einen Artikel gewonnen zu haben, in dem er ausführlich über eines seiner Steckenpferde – nämlich die sogenannten Closed-end Funds – berichtet.

Viel Spaß also beim nächsten Gastbeitrag auf Jung in Rente.

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Ein Gastbeitrag von Anton Gneupel vom YouTube-Kanal D wie Dividende.

Wenn es darum geht, über die Börse ein passives Einkommen aufzubauen, um künftig von den Erträgen leben zu können, versuchen Anleger mehrere Ziele miteinander zu vereinen:

  1. Die Ausschüttungen in Form von Dividenden und Zinsen sollten selbstverständlich überdurchschnittlich hoch sein, um mit dem eingesetzten Kapital ein auskömmliches Leben bestreiten zu können.
  2. Außerdem sollten die Ausschüttungen möglichst konstant und auch über Krisen hinweg gezahlt werden.
  3. Das dritte Ziel, welches sich Einkommensinvestoren in der Regel setzen, sind die regelmäßigen Cashflows, um die Ausgaben des Alltags decken zu können.

Versuchen angehende Einkommensinvestoren nun, diese Ziele mit Einzelwerten wie Aktien unter einen Hut zu bringen, stoßen sie schnell an ihre Grenzen oder bilden enorme Klumpenrisiken in ihren Portfolios.

Für eine angemessene Diversifikation über Branchen, Länder und Währungen hinweg werden die Portfolios auch schnell unübersichtlich groß – mit entsprechend hohem Verwaltungsaufwand.

Das Ganze würde selbstverständlich auch das Ziel des „passiven“ Börseneinkommens konterkarieren.

Gesucht sind also Sammelanlagen,

  • die hohe Ausschüttungsrenditen aufweisen (über 5%),
  • eine konsistente Dividendenpolitik haben,
  • monatlich oder quartalsweise auszahlen und
  • eine globale Diversifikation über verschiedene Branchen bieten.

Fündig werden Anleger im angelsächsischen Raum, wo es eine spezielle Fondsart, nämlich die sogenannten Closed-end Funds (kurz: CEFs), gibt.

Merkmale von Closed-end Funds

Trotz ihres Namens haben die überwiegend in den USA, Kanada und Großbritannien beheimateten Closed-end Funds, nur wenig mit den in Deutschland negativ konnotierten geschlossenen Fonds zu tun.

Ich persönliche würde das Ganze als geschlossene, börsennotierte Investmentgesellschaft übersetzen. Diese Investmentgesellschaften haben viele Merkmale, welche sie von ETFs oder klassischen Investmentfonds unterscheiden.

Zunächst einmal können Anteile an CEFs nur über den Sekundärmarkt, also über die Börse und nicht über die Fondsgesellschaft gehandelt werden. Sollte die Fondsgesellschaft weitere Anteile ausgeben wollen, kann sie das dementsprechend auch nur über eine Kapitalerhöhung.

Da CEFs im Gegensatz zu ETFs keine Marktpfleger haben, die dafür sorgen, dass Anteile des Fonds immer so viel wert sind, wie die im Fonds enthaltenen Positionen, kommt es regelmäßig dazu, dass durch Angebot und Nachfrage CEFs entweder mit einem Agio (Aufschlag) oder Disagio (Abschlag) vom Net Asset Value gehandelt werden. Das kann z.B. dazu führen, dass Anleger $100 Fondsvermögen für nur $90 an der Börse kaufen können. Das hebelt die (Ausschüttungs-)Rendite für Investoren risikofrei.

Neben diesem risikofreien Hebel können die Anleger auch davon profitieren, dass CEFs in gesetzlich beschränktem Umfang Fremdkapital nutzen dürfen. Das macht Anteile an CEFs zwar erfahrungsgemäß volatiler als ungehebelte Sammelanlagen, aber sorgt in der Regel auch für sehr hohe Ausschüttungsrenditen.

Das Ausschüttungsrenditen bei CEFs normalerweise zwischen 5 und 10% liegen, liegt neben den zuvor genannten Hebeln auch daran, dass das Management nicht nur erhaltene Zinsen und Dividenden weiterleitet, sondern auch Kursgewinne realisieren und ausschütten kann.

Da die Zielgruppe in den jeweiligen Ländern vor allem Rentner bzw. Pensionskassen sind und diese selbstverständlich regelmäßige Cashflows benötigen, schütten CEFs überwiegend monatlich aus.

Für Rezessionen können die aktiven Manager zudem in guten Jahren Rücklagen bilden oder geringfügig aus der Substanz zahlen. Damit erhalten CEF-Anleger regelmäßige und gering schwankende Zahlungen.

Welche Wertpapiere lassen sich mit Closed-end Funds abdecken?

Prinzipiell gibt es, ähnlich wie bei ETFs, auch Closed-end Funds auf die unterschiedlichsten Wertpapierarten und Branchen.

Allerdings lohnt es sich durch den Hebel und die vergleichsweise hohen Kosten nicht immer, zu einem CEF zu greifen.

Ein Bereich, wo die Nutzung eines CEF meiner Meinung nach besonders Sinn ergibt, sind globale Infrastruktur-Unternehmen.

Infrastruktur- und Versorger-Unternehmen sind aufgrund der unelastischen Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen prädestiniert für gleichbleibende Cashflows und somit auch Ausschüttungen.

Durch diese gut prognostizierbaren Geschäftsmodelle sind die erwartbaren Renditen natürlich begrenzt, weshalb der Einsatz eines günstigen Fremdkapital-Hebels, im Mantel eines Closed-end Funds, nahe liegt.

Praxisbeispiel: Cohen & Steers Infrastructure Fund

Ein Closed-end Fund, der genau das bietet, ist der Cohen & Steers Infrastructure Fund.

Cohen & Steers Logo

Der im Jahr 2004 in den USA aufgelegte Fonds verfolgt das Ziel, seinen Anlegern ein möglichst positives Gesamtergebnis zu bieten, mit besonderem Fokus auf stabilen Ausschüttungen.

Dafür investiert der Fonds überwiegend in für Volkswirtschaften unentbehrliche Infrastruktur-Unternehmen.

Besonders hoch gewichtet das Management Unternehmen aus den Sektoren Strom-, Gas- und Öl-Distribution ebenso wie Verkehrsinfrastruktur. Dazu zählen Flughafen-, Schiffshafen-, Straßen-, aber auch Schienen-Betreiber. Unternehmen die Telefonmasten bewirtschaften, nehmen ebenfalls immerhin 10% des Fondsvolumens ein.

All diese Branchen werden auch in Rezessionen Geld verdienen und Dividenden ausschütten können.

Closed-end Fund: Cohen & Steers Infrastructure Fund. Portfolio nach Branchen.
Portfolio nach Branchen. Quelle: Fonds-Factsheet

Unter den Top-Positionen befinden sich einige der üblichen Verdächtigen, die häufig auch in den Depots deutscher Einkommensinvestoren zu finden sind.

Closed-end Fund: Cohen & Steers Infrastructure Fund. Top-10 Positionen.
Die Top-10 Positionen. Quelle: Fonds-Factsheet

Geografisch überwiegt eindeutig die USA, gefolgt von Australien, Kanada und Japan.

Allgemein ist der Fonds hauptsächlich in der für Einkommensinvestoren wichtigen Anglosphäre engagiert.

Closed-end Fund: Cohen & Steers Infrastructure Fund. Portfolio nach Ländern.
Portfolio nach Ländern. Quelle: Fonds-Factsheet

Die Ausschüttungs- und Kurs-Historie ist durchmischt.

Im Zuge der Finanzkrise wurden die monatlichen Zahlungen gedrosselt, um nicht zu viel aus der Substanz auszuschütten.

Mittlerweile ist man allerdings wieder deutlich über dem Niveau von 2007.

Das Gleiche gilt für die Kursentwicklung. Nach einem starken Kursverlust in der Finanzkrise, haben sich der NAV (Net Asset Value) sowie der Kurs des Fonds langsam dem Vorkrisen-Niveau angenähert.

Closed-end Fund: Cohen & Steers Infrastructure Fund. Ausschüttungen und Kurse.
Ausschüttungen und Kurse. Quelle: Eigene Grafik

Beim aktuellen Kurs von $26,46 und einem minimalen Abschlag vom NAV in Höhe von 0,45% ergibt sich eine Ausschüttungsrendite von 7,03%, was ein guter, durchschnittlicher Wert für CEFs ist.

Seit Auflage des Fonds lag die durchschnittliche jährliche Gesamtrendite – bestehend aus Kursgewinnen und Ausschüttungen – übrigens bei 11,4%.

Die aktuelle Marktkapitalisierung des Fonds beläuft sich auf ca. $2,3 Mrd.

Pro Jahr fallen laufende Kosten in Höhe von 1,39% an. Das Portfolio ist zu 27% mit Fremdkapital gehebelt. Das ist weniger als der Regulator noch erlauben würde. Dieser verlangt in den USA für $1 Schulden mindestens $2 Eigenkapital.

Der Cohen & Steers Infrastructure Fund ist mit dem Kürzel UTF über die New York Stock Exchange handelbar.

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Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass Closed-end Funds sehr gut für Anleger geeignet sind, die ein zusätzliches monatliches Börseneinkommen aufbauen möchten und weniger auf die Maximierung des eigenen Vermögens aus sind.

Gerade für Infrastruktur-Unternehmen aber auch für REITs sind CEFs Anlagevehikel, mit denen Investoren einfach und kostengünstig ihre Einkommensströme global und ertragsstark diversifizieren können.

Bei der Auswahl eines Fonds sollten Anleger aber unbedingt darauf achten, dass die Ausschüttungen von den Erträgen gedeckt sind und sich der CEF nicht selbst auflöst. Hier gilt also auch das Prinzip der Yield-Trap.

Für weitere Informationen zu CEFs empfehle ich die Folge 7 des Einkommensinvestoren-Podcasts, in dem Luis Pazos und ich vertieft auf dieses Instrument eingehen. Einzelne CEFs bespreche ich zudem auf meinem YouTube-Kanal D wie Dividende.

Vielen Dank an David, für die Möglichkeit, hier einen Gastartikel verfassen zu können.

Ich wünsche ein glückliches Händchen beim Investieren und viel Spaß beim Dividenden vereinnahmen. Euer Anton.


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2 Antworten auf „Closed-end Funds – Das perfekte Instrument für Einkommensinvestoren?“

  1. Super Gastbeitrag zu einem CEF, den ich schon länger auf der Watchlist! Danke Anton 🙂

    @David: Bisher bist du u.a in Aktien und ETF investiert. Kommen künftig CEF etc. auch auf deine Watchlist?

    1. Moin Philipp,

      ich finde das Gebiet der Hochdividendenwerte tatsächlich höchst spannend und bin mir sicher, dass ich mich hier künftig finanziell engagieren werde.

      Bislang zählen CEFs & Co. allerdings noch nicht zu meinem persönlichen Feld der Expertise, sodass ich mich – trotz der bereits erfolgten Lektüre von „Bargeld statt Buchgewinn“ – wohl noch etwas intensiver mit der Materie auseinandersetzen muss, bevor ich derartige Investmentvehikel mit in meine Watchliste aufnehme.

      Aber vielleicht zeigt sich ja Anton bereit, mir noch ein bisschen mehr Nachhilfe in diesem Bereich zu erteilen… 😉

      – David

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