Aktienplausch mit LetMoneyWork

Die Deutschen gelten gemeinhin als Aktienmuffel.

Doch zuletzt hat die hiesige Aktienkultur einen merklichen Aufschwung erlebt.

Damit dieser Trend keine Eintagsfliege bleibt, habe ich mich zum Start einer neuen Interviewserie entschieden.

In dieser berichten bekannte und weniger bekannte Aktionäre über ihre Motivation, Geld an der Börse anzulegen.

Nachdem ich meinen langjährigen Twitter-Gefährten LetMoneyWork in der Vergangenheit bereits für einen Gastartikel gewinnen konnte, freue ich mich nun, ihn auch als Interviewgast begrüßen zu dürfen.

Viel Spaß also beim nächsten Aktienplausch auf Jung in Rente!

Mein Aktienplausch mit LetMoneyWork

Aktienplausch mit LetMoneyWork 1

Zunächst ein paar Details zum im Netz unter dem Pseudonym LetMoneyWork agierenden Blogger und YouTuber:

  • 39 Jahre alt
  • verheiratet
  • Vater einer 5-jährigen Tochter
  • Diplom-Ingenieur (FH) Elektro- und Informationstechnik sowie M.Sc. in Informationstechnik
  • längere Zeit Softwareentwickler, mittlerweile im Management eines großen Arbeitgebers tätig
  • beschäftigt sich intensiv mit Aktien und Börse seit 2010

Wieso gehörst du zu den 17,5 Prozent der Deutschen, die in Aktien investieren?

Es gibt für mich nicht DEN einen Grund, wieso ich in Aktien investiere.

Aber der wichtigste Grund für mich ist, dass ich neben dem Einkommen, welches ich durch die Zurverfügungstellung meiner Zeit erziele, unabhängig davon noch weiteres Einkommen erzielen kann.

Dies macht mich unabhängiger von einer einzigen Einkommensquelle und mich persönlich hat es sogar bei der Arbeit schon wesentlich entspannter gemacht.

Denn ich muss nicht mehr auf Teufel komm raus eine Stelle annehmen, die beispielsweise viel mehr Arbeit mit sich bringt oder mir nicht gefällt und das eventuell nur für ein paar Euro mehr im Monat.

Ich bin ja da wie du recht transparent und kann sagen, dass ich nun mittlerweile im Schnitt mehr als 140 Euro im Monat allein an Dividenden bekomme und die Tendenz steigend ist.

Ursprünglich wollte ich zusätzliches Einkommen sowohl mit Immobilien als auch Aktien erreichen.

Allerdings sind die Preise für Immobilien derart gestiegen, dass ich mich damit seit einiger Zeit nicht mehr so intensiv beschäftige.

Denn Immobilien machen aus meiner Sicht nur mit möglichst viel Fremdkapital Sinn.

Daher habe ich bisher nur eine einzige Immobilie als Vermietungsobjekt.

Aber ich schweife jetzt etwas ab…

Weshalb bevorzugst du Einzelaktien gegenüber ETFs?

Ursprünglich habe ich unter anderem viel mit Aktien, Zertifikaten und so weiter getraded.

Nach meinem Erfolg beim Traden – also das ich kein Geld gewonnen, aber auch keins verloren habe 😉 – bin ich nach einigen Jahren immer mehr in Richtung Investment gegangen.

Für mich war immer klar, dass ich irgendwie an Unternehmen beteiligt sein will.

Sogar schon als Kind im Alter von zirka 12 Jahren.

Ich fand es immer faszinierend, wenn ich früher von reichen Leuten gehört habe, die ein Vielfaches von dem Verdienen, was ein normaler Arbeitnehmer verdient, obwohl den Unternehmern ja nicht mehr Zeit am Tag zur Verfügung steht als normalen Arbeitnehmern.

Aber als Zwölfjähriger hatte ich noch keine Ahnung, wie ich das selbst anstellen sollte.

Aber da ich aus einem recht armen Haushalt komme, war für mich (viel) Geld verdienen einfach damals schon wichtig.

Einzelaktien erlauben mir sehr einfach eine Beteiligung an Unternehmen.

Die Möglichkeiten sind für mich faszierend.

Es ist fast egal, wo ein Unternehmen auf der Welt ist, in den USA, in Kanada oder in Japan.

Ich kann im Grunde jederzeit Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen bekommen und das mit ein paar Klicks und ein wenig Geld.

Es gibt noch ein paar weitere Gründe, aber ich will den Rahmen des Interviews nicht sprengen.

Aber auch ETFs können Sinn machen und ich habe sogar einen ETF im Depot, den ich nach und nach ausbauen werde.

Es gibt also für mich nicht nur „entweder oder“, sondern Aktien UND ETFs.

LetMoneyWork

Mein Schwerpunkt sind aber die Aktien.

Bei ETFs schaue ich auch immer, was da an Firmen enthalten ist und da bin ich doch auch sehr wählerisch.

Daher gefällt mir nicht jeder ETF.

Wenn mir nur ein paar Firmen gefallen, wieso dann beispielsweise 80 weitere kaufen, die ich nicht will.

Aber auch das Thema könnte ich noch weiter sezieren.

Schließlich kommt es ja auch immer darauf an, was ich mit einem Investment erreichen will.

Also mehr Wachstum oder mehr Dividenden durch Diversifizierung, Gewichtung ändern usw.

Ich belasse es für das Interview dabei.

800x250 stock-saving-plan

Was hat es mit deinem Ziel auf sich, sowohl auf Dividenden- als auch auf Wachstumswerte zu setzen?

Mehrere Studien haben gezeigt, dass in der Gesamtentwicklung der großen Indizes die reinvestierten Dividenden den Großteil der Rendite ausmachen.

An diesem Fakt lässt sich nicht rütteln.

Zweitens sind langfristige Erfolge mit Aktien nur mit der richtigen Einstellung – oder anders formuliert – mit der richtigen Psyche erzielbar.

Die Dividenden sind daher auch aus dem psychologischen Effekt heraus wichtig für mich.

LetMoneyWork

Denn egal was mit Kursen passiert, die eingegangen Dividenden halten mich bei Laune und motivieren mich weiter zu investieren.

Neben den Dividendenfirmen, die ja übrigens auch wachsen können, setze ich auch auf reine Wachstumsfirmen.

Wachstumsfirmen können dem Portfolio einen richtigen Kick geben.

Außerdem beteilige ich mich gerne an Unternehmen, deren Produkte ich nutze, wie beispielsweise im Falle von YouTube, und setze daher gerne auch auf Firmen wie Alphabet oder Amazon – kenne ich doch ihren Wert, ihre Vor- und Nachteile.

Wenn man erstmal eine gute Wachstumsfirma gefunden hat, dann will ich die im Idealfall ewig halten.

Und wenn ich mir dann irgendwann vielleicht was gönnen oder woanders investieren will, dann muss ich eventuell nur einen kleinen Teil dieser Anteile verkaufen, weil deren Wert im Idealfall in den Jahren so stark gestiegen ist.

Aber es gibt nicht nur reine Dividendenfirmen mit (relativ) hoher Dividendenrendite oder reine Wachstumsfirmen.

Du folgst mir ja auch auf Twitter und weisst vielleicht auch, dass ich Firmen mit kleiner Dividendenrendite im Portfolio habe, die aber auch noch recht stark wachsen, wie beispielsweise Accenture und Amphenol, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Somit gibts auch hier kein „entweder oder“.

Die richtige Mischung im Depot macht es.

LetMoneyWork

Was mich eher wenig interessiert sind diese Performancevergleiche mit Indizes.

Ich nehme die als Orientierung.

Die Wertentwicklung meines Portfolios soll langfristig in einem Diagramm von unten links nach oben rechts gehen und nicht nur seitwärts.

Da ich mehr in Einzelaktien investiere, ist mir aber das Gefühl an Unternehmen beteiligt zu sein wichtiger, als den Markt zu schlagen.

Am Ende zählt das Einkommen für mich.

Aber bis zur Rente ist bei mir noch viel Zeit und aus den oben genannten Gründen habe ich auch reine Wachstumsfirmen im Portfolio.

Warum investierst du in Kryptowährungen?

Ich sehe in Kryptowährungen durchaus eine sinnvolle Anwendung.

So haben die Menschen in afrikanischen Staaten wie beispielsweise Nigeria und Kenia die Möglichkeit, nun eine Alternative zu ihrer heimischen Währung, die oft an stark an Wert verliert.

Außerdem spielt für die Menschen dort Remittance eine wichtige Rolle.

In Nigeria sind die Banken nicht so gut an das internationale Bankwesen angeschlossen und Überweisungen nach und aus Nigeria mit großen Kosten verbunden.

Verwandte aus dem Ausland müssen umständlich Geld nach Hause schicken und hohe Gebühren in Kauf nehmen.

Aus diesem Grund nutzen schon viele Nigerianer Kryptowährungen.

Denn damit können sie schnell und sicher Geld zu ihren Liebsten nach Hause schicken.

Das gilt auch für Geschäftsbeziehungen.

Viele Afrikaner kaufen und verkaufen über chinesische Plattformen.

Die Zahlung ist hier mit Kryptos einfacher.

Kryptos sind aber sehr volatil und daher habe ich hier nur einen sehr kleinen Anteil investiert.

Was sind deine favorisierten Quellen (Bücher, Zeitungen, Blogs, Social-Media-Kanäle usw.), um informierte Investitionsentscheidungen zu treffen?

Also es sind durchaus Blogs wie deine und die anderen aus der „Fintwit“ Community, die ich als Inspiration nutze.

Darüber hinaus nutze ich auch sehr oft diverse Screener wie z.B. bei Finviz.

Mittlerweile habe ich aber auch mein Portfolio soweit, dass ich mehr und mehr Positionen ausbauen kann, statt immer mehr neue Positionen ins Depot zu holen.

Ich eröffne aber keine neue Position, ohne mir vorher den Investorenbericht oder letzte Zahlen angeschaut zu haben.

Ich muss das Geschäftsmodell mögen, die Finanzlage, die Strategie usw.

Wenn das alles passt, dann bin ich auch bereit, mit einer Firma durch schwierigere Zeiten zu gehen.

Und das gehört für den langfristigen Erfolg dazu.

Denn bei keiner Firma wird es immer nur gut laufen.

Wenn man sie dann verkauft, wenn es gerade schlecht läuft, dann verpasst man wohlmöglich im Anschluss die besten Zeiten.

Denn schlechte Zeiten haben auch eine bereinigende Funktion bei Firmen.

Man trennt sich oft von Altlasten, hinterfragt alles und stellt sich im Anschluss neu auf. 

Deswegen habe ich während der Pandemie auch keine Position verkauft bis auf Shell, die ich erst ein Jahr vorher angefangen hatte aufzubauen.

Die Gründe hierfür hatte ich mal ausführlich erläutert und will hier nicht mehr näher drauf eingehen.

Das spricht nicht gegen Shell als solches, sondern sie passten einfach nicht mehr zu meinem Investmentcase und deswegen habe ich sie auch mit hohem Verlust verkauft.

Aktuell habe ich 30 Firmen, 1 ETF und einige kleinere Positionen von Aktien, die ich noch ausbauen will.

Aber dadurch, dass ich mich vorher mit jeder Firma auseinandersetze, bin ich psychologisch in der Lage, die Firmen zu halten, wenn es auch mal nicht so gut läuft.

Ich nutze auch Watchlisten oder Sparpläne und hole mir damit erstmal nur kleine Positionen ins Depot.

Dadurch lerne ich eine Firma besser kennen und schaue, ob sie zu mir passt.

Da verfolge ich die Geschäftsentwicklung genauer, als wenn sie nur auf der Watchlist wäre.

Oft haben Aktienkurse, unabhängig von der fundamentalen Entwicklung ein Eigenleben wie beispielsweise eine gewisse Volatilität.

Als Beispiel nenne ich mal Evotec.

Die schwanken mitunter recht stark, obwohl es fundamental nicht immer irgendwelche Neuigkeiten gibt.

Was ich gar nicht mehr mache:
Auf Profi-Analysten hören.

LetMoneyWork

Am Anfang meiner Investment-Karriere habe ich das noch regelmäßig gemacht.

Aber die sind mir doch irgendwie immer zu spät dran – z.B. bei der Anpassung ihrer Kursziele.

Welchen Ratschlag würdest du Börsenanfängern aufgrund deiner langjährigen Erfahrung mit auf den Weg geben?

Erstens sollte man sich über seine Ziele mit einem möglichen Investment klar werden.

Also will ich traden oder investieren?

Will ich langfristig Vermögen und weiteres Einkommen aufbauen oder suche ich den Kick?

Ich behaupte, die meisten wollen eigentlich reich werden und nicht Geld verdienen.

Trader verdienen Geld, Investoren werden reich.

Den Spruch habe ich mal aufgeschnappt und der passt.

Die fettesten Renditen haben die langweiligen Firmen über längere Zeiträume gebracht:

McDonalds, Johnson & Johnson, PepsiCo, Procter & Gamble usw.

Hier musste man die Firmen einfach nur über die Jahre halten und sonst nichts tun.

Dabei fällt uns Menschen das Nichtstun so schwer.

Sind wir doch so erzogen, dass wir versuchen, mit Agieren Probleme zu lösen.

Und bei Aktien ist man schnell im Depot und drückt auf „Verkaufen“. 

Wenn man sich dann über seine Ziele klar geworden ist, sollte man für sich entscheiden, wieviel Zeit man bereit ist, zu investieren.

Entsprechend würde ich ETFs und Einzelaktien gewichten.

Wenn man mehr das Gefühl des Besitzers bzw. Anteilseigners haben will, dann kommt man aber um Einzelaktien nicht herum.

Mein Ratschlag für die, die mich im privaten Umfeld fragen:
Ein Depot mit langweiligen, aber recht krisensicheren Firmen als Basis aufbauen.

LetMoneyWork

Dazu zählen für mich Konsumfirmen, aber auch die Bigtechs.

Dividendenfirmen sollten die Basis sein, da diese (wie Studien gezeigt haben) die meiste Rendite gebracht haben und die Dividenden aus meiner Sicht auch psychologisch wichtig sind, um am Investieren dran zu bleiben.

Und die eigene Psychologie spielt nun mal bei Aktien, deren Kurse man sekündlich abrufen und ständig News lesen kann, eine sehr wichtige Rolle.

Wenn die Basis steht, dann kann man sich durchaus auch etwas spekulativere Firmen ins Portfolio holen.

Vielleicht auch im eigenen Umfeld schauen, welche Produkte nutze ich privat oder bei der Arbeit (entsprechend Peter Lynch*).

Da findet man oft auch Hinweise auf gute, aber trotzdem nicht spekulative Firmen.

Vielen Dank an LetMoneyWork für den sehr interessanten Aktienplausch!


Aktienplausch mit LetMoneyWork 2

Wenn Euch das Interview mit LetMoneyWork gefallen hat und ihr mehr von ihm erfahren wollt, folgt ihm unbedingt auch auf einem seiner Social Media-Kanäle:


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Dich interessiert, was andere Aktionäre motiviert, ihr Geld an der Börse anzulegen.

Dann wirf gerne auch einen Blick in meine weiteren Interviews:

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Danke für deine Aufmerksamkeit und weiterhin viel Erfolg beim Sparen, Investieren und frei sein!

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