Aktienplausch mit Daniel Eckert aka Tiefseher

Die Deutschen gelten gemeinhin als Aktienmuffel.

Doch zuletzt hat die hiesige Aktienkultur einen merklichen Aufschwung erlebt.

Damit dieser Trend keine Eintagsfliege bleibt, habe ich mich zum Start einer neuen Interviewserie entschieden.

In dieser berichten bekannte und weniger bekannte Aktionäre über ihre Motivation, Geld an der Börse anzulegen.

Als ersten Interviewgast darf ich Daniel Eckert begrüßen, der vielen von Euch auch als Tiefseher bekannt sein dürfte.

Viel Spaß also beim ersten Aktienplausch auf Jung in Rente!

Mein Aktienplausch mit Daniel Eckert aka Tiefseher

Aktientalk mit Daniel Eckert aka Tiefseher

Daniel Eckert ist Aktionär aus Leidenschaft. 1970 im Saarland geboren, fand er es schon als Jugendlicher faszinierend, sich über die Börse an Unternehmen beteiligen zu können. Seine zweite Leidenschaft, die Faszination für spannende Geschichte(n), führte ihn über ein Studium der Literatur- und Geschichtswissenschaften schließlich in den Journalismus. Heute schreibt er als Finanzreporter für WELT und WELT AM SONNTAG, außerdem ist er Co-Host im Podcast ALLES AUF AKTIEN. Als Investor verfolgt er eine intelligente, wachstumsorienterte Dividendenstrategie. Daniel Eckert lebt in Berlin.

Daniel, wieso gehörst du zu den 17,5 Prozent der Deutschen, die in Aktien investieren?

Mich hat schon als Jugendlicher fasziniert, dass ich an einem Unternehmen beteiligt sein kann – zwar nur mit einem kleinem Anteil, aber immerhin beteiligt.

Ich meine, dass es sowas gibt, ist in der Geschichte etwas ziemlich Neues.

Vorher galt: Die einen haben Kapital, das sind die Kapitalisten, die anderen nicht, die arbeiten für die Kapitalisten und basta.

Heute hat jeder die Chance, Eigentümer zu werden.

Daniel Eckert aka Tiefseher

Stellt dir vor, es gibt Unternehmen, die ein richtig gutes Produkt machen und damit erfolgreich sind, langfristig erfolgreich, und du kannst mit dabei sein.

Das hat mich fasziniert.

Ich habe mich dann etwas belesen und gelernt, dass Aktien auch noch am meisten Rendite bringen, quasi zusätzlich, das hat mich dann zusätzlich motiviert.

Von 1987 an war ich dann dabei…

… vor oder nach dem Crash?

Wie es nicht anders sein konnte: unmittelbar vor dem Crash.

Meine ersten Aktien habe ich im Sommer 1987 gekauft.

Und im Herbst stand ich dann erstmal ein Drittel unter Wasser.

Dazu musst du wissen: Ich war damals erst 16 und hatte praktisch all mein Taschengeld investiert.

Das Depot damals bei der Kreissparkasse hatte mein Vater für mich eröffnen müssen.

Das geht ja erst wenn du volljährig bist.

Also musste ich erstmal verkraften, dass es an der Börse auch aus heiterem Himmel runtergehen kann.

1987 war ja der größte Absturz seit 1929.

Das Gute: Ich hatte mich sowieso auf einen längeren Zeitraum eingestellt.

Natürlich haben mich die Minuszeichen im Depot nicht glücklich gemacht, aber da ich nie vom schnellen Reichtum geträumt hatte, war der Crash auch keine Katastrophe…

Und die Aktien haben sich dann ja auch schnell erholt, ein Jahr später war ich schon wieder im Plus. 

Weshalb bevorzugst du Einzelaktien gegenüber ETFs?

Die rationalere Variante wäre vermutlich, ein paar gute Fonds oder ETFs zu halten, zum Beispiel auf den MSCI World, auf mittelgroße europäische und auf asiatische Aktien, auf internationale Anleihen und auf Gold.

Ich habe tatsächlich auch Indexfonds auf einzelne Länder, zum Beispiel auf Indien oder Japan.

Dennoch, mit meinen Einzelaktien fühle ich mich eher verbunden, eben weil ich Anteilseigner einer Firma bin.

Ich finde es einfach spannender, Unternehmen auszuwählen als ganze Märkte.

Daniel Eckert aka Tiefseher

Und ich denke, dass ich mir so ein maßgeschneidertes Portfolio zusammenstellen kann.

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Was hat es mit deinem Projekt „Jede Woche Dividende“ auf sich?

Mit dem Projekt will ich demonstrieren, dass man es schaffen kann, einen regelmäßigen Strom von Einnahmen aus Aktien zu generieren.

Das ist gar nicht so schwierig.

Nun enthält mein reales Depot sehr viele Einzeltitel, rund 200, sodass ich praktisch jede Woche mehrere Dividenden-Gutschriften bekomme.

Aber wenn du amerikanische Aktien hast, dann reichen theoretisch zwölf aus, um fast jede Woche des Jahres abzudecken.

Aufregend, oder?

Wichtig noch: Vor allem will ich zeigen, dass Dividenden stabiler sind als Börsenkurse, theoretisch sollten die Firmen in meinem Portfolio auf ewig ausschütten können, daher auch der Hashtag #dividendsforever

Warum investierst du in Kryptowährungen?

Ich sage ganz offen: Kryptowerte sind ein Experiment.

Eigentlich trifft es schon das Wort nicht richtig.

Denn es sind ja eigentlich keine Währungen, weil sie nirgendwo auf der Welt als „Währungen“ anerkannt sind.

Zugleich kann ich den Wert in Krypto sehen.

Vielleicht hat mir da geholfen, dass ich auch eine kleine Kunstsammlung habe.

Ich meine, warum ist das eine Kunstmerk mehr wert als das andere?

Weil es etwas macht mit den Menschen, und weil die Leute, in dem Fall die Kunstliebhaber, ihm einen ideellen Wert zumessen.

So ist es auch mit Krypto.

Menschen erkennen in der Technik Blockchain einen Nutzen.

Sie glauben, dass sie sich so gegen Inflation wappnen oder sich abhängig vom staatlichen Geld machen können…

Und ich glaube, gerade die Sensibilität für die Risiken von Staatsgeld wird noch zunehmen.

Deshalb habe ich in Bitcoin, Ether und ein paar andere Kryptowerte investiert.

Klar ist jedoch, dass das niemand tun sollte, der mit den extremen Preisausschlägen nicht umgehen kann…

Was sind deine favorisierten Quellen (Bücher, Zeitungen, Blogs, Social-Media-Kanäle usw.), um informierte Investitionsentscheidungen zu treffen?

Also zunächst einmal sollte jeder Anleger mit offenen Augen durch die Welt gehen, und für uns, die wir Anteile an Unternehmen haben, gilt das umso mehr.

Daher ist schonmal ganz wichtig, generell informiert zu sein.

Wenn sowas wie „Fridays for future“ passiert, oder – ganz anderes Beispiel – wir von einem neuen Virus in China hören, sollten wir überlegen, was das für unsere Investments bedeuten könnte, zum Beispiel für Ölaktien oder Fluggesellschaften. Oder Kreuzfahrtanbieter. Oder Konzertveranstalter etc.

Für die Analyse nutze ich gern Gurufocus und Seeking Alpha.

Auf der Seite der Nasdaq Inc. findet man Unternehmensdaten, zumindest für Werte, die in Amerika gehandelt werden.

Deutsche und europäische Werte werden bei finanzen.net gut abgedeckt, finde ich.

Die Seite von Bloomberg ist eine gute Anlaufstelle für die Stimmung am Markt.

Ich muss gestehen, dass ich in den letzten Jahren auch verstärkt Podcasts höre und YouTube-Videos schaue.

Und nicht zuletzt kann ich Anlegern auch Texte in WELT und WELT AM SONNTAG empfehlen.

Weil ich weiß, dass wir beim Schreiben die Perspektive des Privatanlegers einnehmen, die wir aus eigener Anschauung kennen…

Welchen Ratschlag würdest du Börsenanfängern aufgrund deiner langjährigen Erfahrung mit auf den Weg geben?

Den vielleicht wichtigsten Ratschlag habe ich von Warren Buffett übernommen.

Buffett hat ja diesen berühmten „Zu-kompliziert-Stapel“.

Will sagen: Manche Investments wirken verlockend, man will zugreifen, aber irgendwas an dem Geschäftsmodell stört einen.

Oder man versteht es einfach nicht bis ins letzte Detail.

Oder es bleibt immer die Frage: Wird das – wie etwa bei Wasserstoff – irgendwann mal ein ganz großes Ding, oder für die meisten Firmen ein Totalausfall. Weil sich die Technik nicht amortisiert.

Ich habe für mich daraus gelernt:

Manchmal ist es OK, nicht dabei zu sein.

Mit 200 Werten im Depot tanze ich schon auf vielen Hochzeiten, aber ich muss nicht auf allen tanzen…

Daniel Eckert aka Tiefseher

… und das führt mich zu einem zweiten Punkt: Es bringt nichts, die Wertentwicklung des eigenen Depots ständig mit einem Index abzugleichen.

Wer die globale Aktienrendite ernten will, sollte am besten einen ETF kaufen.

Ich glaube aber, dass es erfüllender ist, ein individuell zusammengestelltes Aktien-Depot aus Einzelwerten zu haben, die zu einem passen.

Selbst wenn die Rendite in einem bestimmten Zeitraum mal nicht so hoch ist wie die von S&P500 oder MSCI World.

Aktionär zu sein, Mit-Eigentümer eines Unternehmens – das bereichert einen mehr als nur materiell.

Vielen Dank, Daniel, für den unglaublich spannenden Aktienplausch!


Aktientalk mit Daniel Eckert aka Tiefseher

Wenn Euch das Interview mit Daniel gefallen hat und ihr mehr von ihm erfahren wollt, folgt ihm unbedingt auch auf einem seiner Social Media-Kanäle:


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Danke für deine Aufmerksamkeit und weiterhin viel Erfolg beim Sparen, Investieren und frei sein!

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3 Antworten auf „Aktienplausch mit Daniel Eckert aka Tiefseher“

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